Pflegeentwicklung

Pflegeverständnis

Jeder Patient mit seinen gesundheits-, krankheits- und krisenbedingten Bedürfnissen und Problemen soll individuell behandelt werden. Das Empfinden der Patienten und ihre persönliche Beurteilung der Situation haben in der Pflege den gleichen Stellenwert wie objektive, medizinisch-pflegerische Befunde. Es ist ein Ziel, Patienten bei der Planung und Durchführung der Pflege aktiv einzubeziehen.
Pflegerisch-therapeutisches Handeln beruht auf professionellem Wissen und Können, was die Fähigkeit, eine zwischenmenschliche Beziehung einzugehen, einschliesst. Das unterscheidet professionelle Pflege von der Laienpflege. Wir fragen unsere Patienten in der Anamnese, wie sie ihre Krankheit erleben und wo sie Hilfe brauchen. Das ist wichtig, um nicht zu viel oder zu wenig zu helfen. Das Unveränderbare der Pflege ist die Tatsache, dass viele Phänomene der Interpretation bedürfen, dessen Klärung einen Dialog voraussetzen. Dies bedingt, dass Pflegende den Patienten gegenüber genügend präsent sind, sodass Patienten überhaupt Zugang zu ihnen haben.
Der Entschluss Pflegender zu sein beinhaltet die Bereitschaft zur Solidarität mit dem Patienten. Pflegende stehen im Spannungsfeld zwischen der Einhaltung rechtlicher und institutioneller Rahmenbedingungen und der Erfüllung normativer (ethischer) Werte.
Pflegerische Tätigkeit ist häufig dialogische Tätigkeit und Bedürfnisse der Patienten halten sich nicht immer an Sprechstunden. Die heutige Herausforderung besteht wohl darin, das tradierte christliche Wertesystem – welches im Hinblick auf die Betreuung ein bewährtes Ethos darstellt - mit unserer ökonomisch und bürokratisch geprägten Berufswirklichkeit in Einklang zu bringen. Kostenexplosionen im Gesundheitswesen zwingen den therapeutischen Nutzen der Pflege sichtbar zu machen. Hier erachten wir u.a. die Pflegediagnostik - welche den Pflegebedarf und den –erfolg sichtbar macht – und die Nutzung evidenzbasierter (wissenschaftlich wirksamer) Interventionen für sinnvoll.
Einige medizinische und pflegerische Phänomene bleiben unverstanden. Diesbezüglich sind gemeinsame Reflexionen, gemeinsames Lernen auf disziplinärer und interdisziplinärer Ebene im bio-medizinischen wie im psycho-sozialen Bereich wesentlich, um Anliegen der Patienten ernst zu nehmen. Ohne Anerkennung der Bedeutung interdisziplinärer Kollegialität kann Pflege zwar praktiziert, aber nicht zu ihrer vollen Entfaltung gebracht werden. Übermässige Standardisierungen ignorieren die Einzigartigkeit jedes Patienten.

Die Arbeitsgruppe Pflegeenwicklung (AGPE) ist ein sehr gutes Gefäss, sich an der Entwicklung der Pflege aktiv zu beteiligen, damit Pflege den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht.

AGPE

AGPE ist das Synonym für Arbeits-Gruppe-Pflege-Entwicklung;
ein dem Pflegedienst zugehöriges Team aus diplomierten Pflegefachpersonen der diversen Bettenstationen und dem Bereich der Medizintechnik des Spitals.

Es ist das Hauptziel der AGPE, die Pflegeleistungen für Patienten kontinuierlich zu verbessern und den aktuellen Erkenntnissen anzupassen.
So generieren sich die zu behandelnden Thematiken der AGPE aus Pflegeergebnissen der oben genannten Arbeitsbereiche. Pflegeprobleme werden durch eine gemeinsame Reflexion mit dem Erfahrungswissen der Gruppenmitglieder und der aktuell verfügbaren themen-bezogenen Literatur evaluiert und bearbeitet.

Dadurch sind die Aufträge der Arbeitsgruppe mit der Pflegepraxis verankert und gleichzeitig spitalweit vernetzt und koordiniert.
Die Arbeitsgruppe wird vom Pflegeexperten Öffnet internen Link im aktuellen FensterFrank Sommerfeld geleitet. Insofern sind die Aufträge bzw. Zielsetzungen strukturell und konzeptionell vom Bereich Pflegeentwicklung und der Leitung Pflegedienst verabschiedet.

 

Aufträge der AGPE:

  • Förderung der Handlungskompetenz im Bereich Pflegediagnostik
  • Schulung und Beratung bei der Umsetzung des Qualitätsstandards Pflegevisite
  • Durchführung und Evaluation von Pilotprojekten (Formularerstellung zur interdisziplinären Dokumentation, z.B. Therapiebericht Paramedizin)

  • Systematische Evaluation von Projekten (z.B. Pflegediagnostik)

  • Entwicklung der Praxis durch die Erstellung gewisser Pflegerichtlinien
    (z.B. Risikoerfassung Dekubitus)

  • Integration und Anwendung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Praxis (z.B. Schluck-Screening).

  • Implementierung von Beurteilungs-Instrumenten, gewisser Richtlinien und Pflegestandards.

  • Beratung und Schulung von dipl. Pflegefachpersonen in der Praxis

  • Durchführung interner Fortbildungen und Fallbesprechungen

 

Die Mitglieder der AGPE treffen sich monatlich zu einem gemeinsamen Arbeitstag. 
Der gegenseitige Informationsaustausch, das Lernen aus der Erfahrung anderer mit der Verknüpfung von Praxis und Theorie und die Erarbeitung von Lösungen bei der Bewältigung von neuen Aufgaben stehen im Vordergrund. 

Die gemeinsam entwickelten Kompetenzen werden anschliessend von den einzelnen Personen der Arbeitsgruppe gezielt an die Pflegefachpersonen ihrer Abteilung weitergegeben.